Ganz persönlich
Ich habe in meinem Leben das große Glück, dass ich jahrzehntelang genau das gemacht habe, was mich erfüllt hat: Mit Menschen gearbeitet. 16 Jahre davon als Therapeutin. Und oft ging es dabei um Trauer und Abschied. Sowohl von den Hinterbliebenen als auch von den Betroffenen selbst, die wussten, dass der Abschied naht.
Auch in meinem privaten Leben war der Tod schon früh ein Begleiter. Ich habe als Jugendliche mehrere Freunde betrauern müssen und auch dadurch meinen ganz eigenen Zugang zum Abschied gefunden.
Und dann starb mein Bruder Erik.
Wir hatten lange schon keinen Kontakt vor seinem Tod. Er war suchtkrank und ich konnte meinen Frieden mit ihm leider erst nach seinem Tod machen. Der Weg dahin war gepflastert von ganz anderer Art von Trauer. Der Trauer darüber, dass ich keine einzige schöne Erinnerung an ihn hatte. Aber gerade dieser Bruder hat meinen beruflichen Weg so sehr geprägt und ich bin dankbar für jede Erfahrung, auch wenn manche davon sehr schmerzhaft waren.
Und daher habe ich Verständnis für jede Form der Trauer. Nicht jede Trauer ist gleich, denn auch nicht jede Beziehung zu einem Menschen ist gleich.
Warum ist nun gerade dieser Beruf des Trauerredners meine große Erfüllung? Ich habe in der Praxis immer den einen Menschen vor mir und habe oft gehört, wie sehr auch andere in der Familie einen runderen Abschied gebraucht hätten, um nun Frieden finden zu können. Und ein ganz wichtiger Moment ist genau das: der Abschied. In meinen Reden versuche ich jedem die Möglichkeit zu schenken, Frieden zu machen.
Meine Reden sind warm und herzlich. Aber dabei immer ehrlich. Ich schaue gerne auch auf schwierigere Wesenszüge mit einem zwinkernden Auge - wenn es passt!
Meine Reden sind keine Lebensläufe, ummantelt von Gedichten und Musik.
Ich konzentriere mich immer auf den Wesenskern, auf die Interessen und die zwischenmenschlichen Beziehungen, die der Verstorbene hatte.
Damit am Ende das hervorgehoben wird, was bleibt:
Die Erinnerung an den Menschen hinter den Geschichten.
